|
Deutsche Tage in Tomsk Erstmalig fanden in diesem Jahr die „Deutschen Tage“ in Tomsk statt. Eigentlich kann man wohl eher von einer deutschen Woche sprechen, da vom 29.09. bis 08.10. ein sehr buntes und vielseitiges Programm die Tomsker Bürger und die Gäste der Stadt erfreute. Organisiert wurden die zahlreichen Veranstaltungen vom „Zentrum für deutsche Sprache Tomsk – Partner des Goethe-Instituts“ und der Regionalgruppe Tomsk der „Vereinigung Deutscher und Russischer Ökonomen – dialog e.V.“ Große Unterstützung erhielten die Organisatoren dabei von zahlreichen deutschen und russischen Institutionen, Organisationen und Unternehmen, wobei dem Goethe-Institut Moskau und der Robert-Bosch-Stiftung für die finanzielle Förderung im Rahmen des Wettbewerbs „Deutsche Tage in Russischen Regionen“ besonderer Dank gilt. Nach der feierlichen Eröffnung und dem anschließenden Filmabend, an dem der deutsche Film „Herr Lehmann“ gezeigt wurde, waren die folgenden zwei Tage wissenschaftlichen Themen gewidmet. Während das dialog-Symposium der Frage nachging, wie sich die Entwicklung des Immobilienmarktes in Russland in Zukunft gestalten wird, ging es in einem vom DAAD im Rahmen des DSG unterstützen Forum um die Beschäftigungsperspektiven für Absolventen der juristischen Fakultäten in Russland. Die Teilnehmer beider wissenschaftlichen Veranstaltungen hatten des Weiteren die Gelegenheit, sich über die Möglichkeiten eines Studiums in Deutschland zu informieren und beraten zu lassen. Danach gab es einen gemeinsamen Deutsch-Russischen Abend, auf dem vor allem der informelle Meinungsaustausch zwischen deutschen und russischen Teilnehmern im Vordergrund stand. Die weiteren Veranstaltungen waren eher kulturell geprägt. Am Sonntag fanden bei strahlendem Sonnenschein viele Tomsker und Gäste der Stadt den Weg zum Stadtrundgang, der unter dem Motto „Deutsche in der Tomsker Geschichte“ stattfand. Am Abend floss dann nach dem Fassanstich durch unsere bayrischen Teilnehmer bei einem an das Oktoberfest angelehnten Bierfest das Bier durch die Kehlen der Besucher. Dabei galt es nicht nur Durchhaltevermögen, sondern auch Geschicklichkeit beim Bierkrugstemmen, Wettnageln, Fingerhakeln und vielen anderen traditionellen Wettbewerben zu beweisen. Wiesenstimmung stellte sich im Kulturhaus „Energetik“ zwar nicht ein, aber die entsprechende Dekoration und die Auftritte zahlreicher Kollektive sowie extra angefertigte Laugenbrezeln ließen die Veranstaltung zu einem großen Erfolg werden. Zum „Tag der deutschen Einheit“ wollten die Organisatoren möglichst vielen Tomsker Schüler die Möglichkeit eröffnen, einer Unterrichtsstunde bei einem Muttersprachler beizuwohnen. Dazu waren viele Sprachassistenten und Lektoren der Robert-Bosch-Stiftung, des DAAD und des Goethe-Instituts nach Tomsk gekommen. So konnten sich Schüler in 14 Schulen über eine solche Unterrichtsstunde freuen. Die Resonanz war sehr gut, da viele Schulen eine solche Gelegenheit sonst nicht geboten bekommen. Dass die Deutschen ein tanzfreudiges Volk sind, wissen die Tomsker spätestens seit der deutschen Diskothek im größten Tomsker Nachtklub „Fakel“, zu der DJ „Zendamon“ aus Tübingen anreiste. Wer es eher etwas gediegen liebt, der fand seine Freude sicher beim deutschen Tanzabend, an dem ein russischer und ein deutscher Tanztrainer historische und moderne Tänze für jedermann vermittelten. Die Ausstellung der im Rahmen des Wettbewerbs „ Deutsch ³ “ eingereichten Arbeiten wurde in den neu ausgestalteten Räumen des Sprachlernzentrums eröffnet. Die Sieger der über 160 eingereichten Arbeiten wurden vom Deutschen Generalkonsul in Nowosibirsk, Herrn Michael Grau ausgezeichnet. Zu den Gästen dieser Veranstaltung zählten außerdem Frau Hanske vom Goethe-Institut Moskau, Herr Pocholkov, Rektor der Polytechnischen Universität, Frau Veledinskaja, Leiterin des Instituts für sprachliche Kommunikation und Herr Loginov von der Gebietsadministration Tomsk. Die Gäste waren sehr beeindruckt von den neu und besonders modern ausgestalteten Räumen des Sprachlernzentrums. Hier gibt es jetzt eine Deutsche-Welle-Ecke, in der alle Interessierten das Fernseh- und Radioprogramm die Deutschen Welle nutzen können. Am Abend wurde es dann hoch offiziell bei einem Empfang anlässlich des „Tages der deutschen Einheit“, zu dem der deutsche Generalkonsul und seine Frau Marie Guillot eingeladen hatten. Spätestens nach der Aktion am Donnerstagmorgen, als die Organisatoren in einer Aufsehen erregenden Aktion die Polytechnische Universität und die Staatliche Universität der Stadt durch die wohl längste deutsche Wurst Sibiriens symbolisch vereinigten, wusste auch der letzte Einwohner Tomsks über die deutschen Tage Bescheid. Die von Studenten getragene Wurst hatte eine Länge von über 200 m und wurde von den Prorektoren der Universitäten und Herrn Generalkonsul Grau angeschnitten. Zuvor gab es noch ein Wettessen zwischen Vertretern beider Universitäten, welches die Polytechnische Universität mit 3:0 gewann. Ob es daran lag, dass die Studenten dieser Universität schlechteres Essen bekommen, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Viele Exkursionen, ein Freundschaftstreffen während einer Schifffahrt auf dem Fluss Tom, ein Universitätskonzert mit Musik deutscher Komponisten, ein Themenabend zur Situation in Deutschland nach der Wahl, ein deutsches Richtfest an einem Neubau der Stadt und andere Veranstaltungen rundeten das Programm ab. Den Abschluss dieser vielfältigen und interessanten Woche bildeten am Samstag die „Spiele ohne Grenzen“, bei denen noch einmal russische und deutsche Studenten in der Natur spielerisch in Wettstreit traten. Die Deutschen Tage wurden von großem Medieninteresse begleitet. Täglich berichteten die lokalen Zeitungen und Fernsehsender über die Veranstaltungen. Die Veranstaltungen dieser Deutschen Tage in Tomsk, welche von weit über 1000 Tomskern und Gästen besucht wurden, waren ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung und zum Ausbau der kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Deutschland und zum besseren wechselseitigen Verständnis beider Kulturen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Veranstaltung in den kommenden Jahren fortgesetzt wird. Anfragen seitens der Teilnehmer und der Tomsker gibt es bereits.
|