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15 Marz 2006 г.
    Tomsk: Hauptplatz und Börse.

 Die Tomsker Festung wurde im Jahre 1604 nach dem Erlaß vom Zar Boris Godunow am rechten Ufer des Flusses Tom gegründet. Die neue Siedlung erschien am Land vom tatarischen Fürst Tojan, der russische Staatsangehörigkeit angenommen hatte.

Am Anfang des 18.Jahrhunderts im Zusammenhang mit der Erweiterung der Süd- und Ostgrenzen Rußlands, verlor Tomsk seine ursprüngliche Bedeutung des militärischen Vorpostens. Im Jahre 1804 wurde Tomsk nach dem Erlaß vom Kaiser Alexander I als Verwaltungszentrum des Tomsker Gouvernements ausgewählt. (Damals bestand Tomsker Gouvernement aus der Territorien der heutigen Region Altaj, Nowosibirsker, Kemerowsker, Tomsker Gebiete, Ostkazakhstan und des Teiles der Region Krasnojarsk.)

In den dreiziger Jahren des 19. Jahrhunderts in Tomsker Gouvernement wurden Goldfundgruben entdeckt. Die Entwicklung der Goldindustrie sammelte großes Kapital in Tomsk. Die wichtigsten Verkehrsadern Rußlands (Irkutsker und Moskauer Wege) führten durch Tomsk. Warentroße gingen aus Moskau durch Tomsk nach Irkutsk und weiter nach China. Güterbeförderung verwandelte Tomsk in wichtigste Handelszentrum. Im 19.Jahrhundert in Tomsk wurde die erste in Sibirien Warenbörse geöffnet.

Der Bau der Transsibirischen Haupteisenbahnlinie am Ende des 19.Jahrhunderts ging Tomsk vorbei, und das wichtigste Handelszentrum fand sich im Abstellgleis. Bald verlor Tomsk seine wirtschaftliche Bedeutung und stand anderen sibirischen Städten (durch die die Transsibirische Hauptstrecke führte) nach.

Weiterhin entwickelte sich Tomsk in anderer Richtung. Im Jahre 1888 in Tomsk wurde die erste in Sibirien Universität gegründet, im Jahre 1900 - Technologisches Institut. Seit dieser Zeit nennt man Tomsk "Sibirisches Athen". Im 20.Jahrhundert wurden Medizinisches und Pädagogisches (in den 30er Jahren), Ingenieurbauliches und Funkelektronisches (in den 50-60er Jahren) Institute gegründet und der Akademgorodok gebaut.

 Im 21.Jahrhundert erinnert uns fast nichts an ehemaligen Wert der Stadt als eines der größten Handelszentren Sibiriens. Doch gibt es in Tomsk einen Platz, der in der Zeit des stürmischen Wirtschafts- wachstums der Stadt eine riesige Rolle spielte. Dieser Platz ist keiner Stadtrand und ist gut erhalten, aber wird mehr als ein halbes Jahrhundert nicht bestimmungsmäßig benutzt. Also, dieser Platz ist der zentrale Platz der Stadt - Leninplatz. Jetzt will man diesen Platz umbenennen: Universitätsplatz. Und bis Mitte des 20.Jahrhunderts wurde dieser Platz "Basarnaja" Platz genannt. Auf dieselbe Weise sind alle Plätze der europäischen Städten genannt: z.B. Rynek in Polen oder in der Ukraine und Marktplatz in Deutschland. 

Das ist einer der ältesten Plätze der Stadt. Im Sommer 1604 befand sich das Lager von Gründern und Beschützern Tomsks. Die Mündung des Flusses Uschajka wurde "das Tor" der Stadt, und der Kai (Teil des Platzes) verwandelte sich in eine Art Hafen, wo Schiffe gelöscht wurden. (Die Schiffe kamen aus Moskau und brachten Lebensmittelvorräte, Besoldung vom Zar und verschiedene Waren.)

Im 17.Jahrhundert wurde Tomsk Verwaltungszentrum des Kreises. Am Ort des heutigen Platzes handelte man. Russische Kaufleute verkauften verschiedene Waren oder umtauschten sie gegen Rauchwaren. Begüterte Kosake und Tomsker Kloster verkauften am Markt Brot und Fisch. Nach und nach erschienen Reihen von Handlungen.

Die Bedeutung Tomsks als des Handelszentrums wurde im 18.Jahrhundert stärker infolge der Erweiterung der Grenze Sibiriens südwärts. Handelsausweitung der Tomsker Kaufleute mit sibirischen Städten, europäischem Teil Rußlands, China und den Städten Mittelasiens, Vermehrung der Zahl von Kaufleuten und Wachsen der Stadt erforderten Bau der großen Handels- und Lagerräume. Auf diese Weise auf dem Platz erschienen große hölzerne Handelsreihen (später genannte als alter Kaufhof), steinernes zweigeschossiges Gebäude – der Börsenblock (für Lagerung der Großhandelswaren und Vorräte). Über Handelsreihen und andere Gebäude dominierten das Rathaus und Bogojawlenskaja Kirche. Seit dieser Zeit bildete sich das Verwaltungszentrum der Stadt heraus.

Im Zusammenhang mit der Gründung (im Jahre 1804) des Tomsker Gouvernements und der Verwandlung Tomsks in die Gouvernementsstadt wurden große steinerne Handels- und Verwaltungsgebäude auf dem Platz gebaut. Einige von ihnen blieben bis jetzt erhalten. Also, schon im 19.Jahrhundert nahm der Platz heutiges "Aussehen".

Im 19.Jahrhundert wurden am meistens Handelsgebäude auf dem Platz gebaut. Handelsausweitung forderte neue Gebäude zum Industriewaren- und Landwirtschaftwarenhandel. In Sibirien entwickelten sich Kapitalverhältnisse, mehrere Leute kamen nach Sibirien zu arbeiten. Mitte des 19.Jahrhundert wurde der Börsenblock umgebaut, und in den 60er Jahren wurde steinerner Kaufhof im Zentrum des Plates gebaut. Kurz danach wurde der Platz "Basarno-Gostinodworskaja" (Markt-Kaufhof) genannt.

In den 70-80er Jahren des 19.Jahrhunderts versuchten viele Tomsker und auswärtige Kaufleute auf dem "Gostinodworskaja" Platz gute steinerne Gebäude zu bauen, um jeder Zeit zu handeln. (Damals das ganze Jahr hindurch brachte man nach Tomsk Millionen verschiedene Güter aus dem Zentrum Rußlands und anderen Gebieten Sibiriens.) Um die Jahrhundertwende erschienen drei neue steinerne Gebäude auf dem Platz. Bis jetzt ist "Supermarkt" der damals größten in Sibirien Handelsfirma "Wtorow und Söhne" geblieben.

Im 20.Jahrhundert (besonders in der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts) änderte sich viel auf dem Basarnaja Platz: einige Gebäude wurden zerstört, am deren Ort wurden neue Gebäude gebaut, einige alte Gebäude verloren ihre historische Bedeutung, der Platz verlor seine ursprüngliche Bedeutung auch. Nicht viele wissen jetzt, wie der Platz früher genannt wurde, welche Gebäude am Ort der heutigen Schauspielhauses, Konzerthalle usw. lagen. Nur die alten Leute, Bibliothekare, Lektoren der Tomsker Universitäten und wißbegierige Studenten errinern sich an etwas oder wissen etwas über den Platz. Viele junge Leute (es betrifft nicht nur Zugereiste) haben keine Ahnung, wie der Platz früher genannt wurde, was für eine große Bedeutung dieser Platz für Tomsk und überhaupt für ganzes Sibirien gehabt hatte. Ganz bestimmt wissen sie nicht über die Geschichte der Gebäuden, die am Platz stehen oder standen.

Z.B. am Ort der heutigen Konzerthalle am Anfang des 20. Jahrhunderts lagerte der Zirkus von Strepetow (?) (einer der besten in Rußland), im alten Gebäude ganz am Ufer des Flusses Tom befand sich die berühmte Schenke "Slawjanskij Basar", wo im Jahre 1890 russischer Schriftsteller A.P.Tschechow war. Viele wissen nicht, daß in kürzester Frist (zur Ankunft des Erzbischofs Alexij II im Mai 2002) gebaute Kapelle früher an demselben Ort stand. Dieselbe Kapelle wurde im Jahre 1858 gebaut und war die exakte Kopie der Moskauer Kapelle der Iwerskaja Mutter Gottes ("Iwerskoj Bozhjej Materi"). Im Jahre 1930 wurde die Kapelle abgebrochen. Und jetzt im 21.Jahrhundert wurde die Kapelle wiederhergestellt. Gegenwärtig vereinigten sich drei Perioden unserer Geschichte im Zentrum des Platzes: vorrevolutionäre (in der postsowjetischen Zeit gebaute Iwerskaja Kapelle) und sowjetische (Lenin-Denkmal). Und nur einige wissen, daß im Gebäude, wo noch vor ein paar Jahre die Puschkin-Bibliothek lagerte, sich im 19.Jahrhundert die größte in Sibirien Börse befand.

Am Anfang des 19.Jahrhunderts wurde am Basarnaja Platz der steinerne Börsenblock als Speicherraum für verschiedene Großhandelswaren und Vorräte gebaut. Alljährliche Frühlingsüberschwemmungen führten zu großen ungleichmäßigen Setzungen des Börsenblocksfundamentes. Infolgedessen wurde der Börsenblock zu den 30-er Jahren des 19.Jahrhunderts unbrauchbar. Im Jahre 1846 entschied man einen neuen Börsenblock zu bauen (aber mit Verwendung der alten Baumateriale). Aufstellung und Bestätigung des Projektes dauerten im Laufe von einigen Jahren. (Autor des Projektes war Architekt A.A.Arefjew.) Der ehemalige Börsenblock wurde bis zum Fundament abgerissen. Im Jahre 1851 fing das Bauen des neuen Gebäudes an, und im Sommer 1854 war das Bauen zu Ende.

Der Block bestand aus der Reihe der "Handlungen-Abstellräume" ("lawki-kladowyje") von gleicher Breite. Die Innenhauptmauer teilte das Gebäude in zwei ungleiche Teile. Vielleicht übernahm man dieses Schema aus Ebnungen der Kaufhöfe, wo die Aufteilung bestand aus zwei Teilen: Handelsraum - "Handlung" ("lawka") und "Abstellraum" ("kladowaja"). Der Verwendungszweck des Blocks bestimmte Architekturkomposition des Gebäudes: zweigeschossige Galerie - gewölbte im Erdgeschoß und Kolonnade im zweiten Geschoß. Hier brauchte man Überdachung für Sortieren, Abtrocknung, Untersuchung der Pelzwaren und Abwiegen der anderen Waren.

Vom Moment des Baues benutzte man den Börsenblock zu verschiedenen Zwecken (Lager, Handels-, Waren-, Industrieraum), und entsprechend dem Zweck wechselte man das Planieren des Blocks. Z.B. nach dem zweiten Weltkrieg befand sich die Brotfabrik in diesem Gebäude. Für Erweiterung der Industrieräume betonierte man die Öffnungen zwischen schönen Tragsäulen aus, errichtete man irgendwelche Anbauten. Nur vor 20 Jahre gab man dem ehemaligen Börsenblock seine majestätische Monumentalität zurück. Während letzter 20 Jahre lagerte die Puschkin-Bibliothek in diesem Gebäude. Jetzt hier befinden sich Russische Akademie der Justiz (Westsibirische Filiale) und die Abteilung des Standesamtes.

Tomsker Börse war die größte Warenbörse in Sibirien in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts - am Anfang des 20.Jahrhunderts. Nach der Revolution 1917 wurden alle sibirischen Börsen geschlossen. Aber im Jahre 1922 wurden die Börsen in großen sibirischen Städten (Nowosibirsk, Omsk, Irkutzk, Tomsk, Krasnojarsk, Barnaul, Bijsk) erneuert. Insgesamte Handelsbewegung von allen sibirischen Börsen war 92.6 Mill. Rubel im Jahre 1924, 207 Mill. - 1925, 249 Mill. - 1926. Die Bewegung von Nowosibirsker Börse machte fast Hälfte der insgesamten Bewegungen aus. Nowosibirsk, der auf einer der wichtigsten Strecken der Transsibirischen Haupteisenbahnlinie lag, befand sich auch im Zentrum der allen Handelsgeschäfte. Seit 1927 blieb nur eine Börse in Sibirien - Nowosibirsker Börse. Tomsker Börse hörte ihre Existenz auf.

Jetzt ist Tomsk die Stadt der Studenten: jeder sechste Tomsker ist Student(in). Viele junge Leute aus Rußland und anderen GUS-Ländern kommen nach Tomsk zu studieren, weil alle wissen, daß Tomsk durch seine Universitäten und Wissenschaft berühmt ist.

Doch ist das Alter der ersten sibirischen Universität nur ein Viertel des Alters der Stadt. Und nicht viele Leute machen sich Gedanken darüber. Aber wir wissen, daß vor 100-150 Jahren Tomsk nicht für Universitäten bekannt war. Die 150 km südlicher von Tomsk gebaute Eisenbahnlinie änderte die Hauptstadt des riesigen Gouvernements für immer.

Juri Michailow [RUS]



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