Bei den Regierungsberatungen in der sibirischen Stadt Tomsk wollen die deutsche und die russische Führung die Partnerschaft beider Länder festigen. Im Mittelpunkt steht die Begegnung zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem russischen Präsident Wladimir Putin. Wie ist der Stand der deutsch-russischen Beziehungen - fünf Monate nach dem Abgang des "Russland-Freundes" Gerhard Schröder? Sieben Fragen und Antworten:
1. Haben Merkel und Putin schon einen persönlichen Draht zueinander gefunden?
Die Beziehung zwischen den beiden ist noch ausbaufähig. An eine gemeinsame Schlittenfahrt zwischen Kanzlerin und dem Präsidenten ist noch nicht zu denken. Andererseits haben Merkel und Putin nach ihrem ersten Treffen in Moskau im Januar mehrmals telefoniert. Beide begrüßten einander in Tomsk sehr freundlich. Vor allem Merkel strahlte und lächelte.
2. In welcher Sprache unterhalten sich die Kanzlerin und der Präsident?
Merkel war in der Schule eine der besten ihres Jahrgangs in Russisch. Putin spricht seit seinen Dresdner KGB-Tagen gut Deutsch. Merkel sagt, sie verstehe noch ein wenig Russisch. Der Präsident spreche viel besser Deutsch als sie Russisch. Die eigentlichen Verhandlungen in Tomsk führten beide gemäß dem Protokoll in ihren eigenen Sprachen.
3. Hat Merkel die Akzente in den Beziehungen verschoben?
Die Kanzlerin spricht von einer "strategischen Partnerschaft" mit Russland. Damit nimmt Merkel Putins Riesenreich wichtig. Doch sie spricht dem Verhältnis doch eine andere Qualität zu als etwa zu den USA oder zu den EU-Staaten, mit denen die Bundesrepublik seit Jahrzehnten verbunden ist. Anders als für Schröder wäre es für Merkel undenkbar, eine Achse mit Russland zu schmieden, die wie im Irak-Konflikt gegen die USA gerichtet ist. Sie baut aber darauf, dass es ein hohes Maß an übereinstimmenden Interessen beider Länder gibt.
4. Wo gibt es Differenzen zwischen Merkel und Putin?
Russland begreift sich zunehmend wieder als Großmacht und setzt seine Rohstoffe gezielt ein, um politische Bedeutung zurückzuerobern. Die Drohgebärden des russischen Energiekonzerns Gasprom haben jüngst die Bundesregierung verärgert. Uneinigkeit besteht auch über den Kurs gegenüber der neuen Palästinenser-Regierung unter der radikal-islamischen Hamas. Putins Regierung verteidigte auch die Wahl in Weißrussland, während die EU-Staaten einschließlich Deutschlands massive Kritik an der Behinderung der Opposition geäußert hat.
5. Welche Positionen nehmen Berlin und Moskau im Atomstreit mit dem Iran ein?
Beide Regierungen sind sich einig, dass sich der Iran nicht atomar bewaffnen darf. Doch die Nagelprobe kommt, wenn entschieden werden muss, ob gegen Teheran Sanktionen verhängt werden sollen. Merkel könnte leicht zwischen die Stühle geraten. Die USA sind für eine schärfere Gangart. Moskau will Sanktionen verhindern.
6. Wie entwickeln sich die wirtschaftlichen Beziehungen?
Die deutsche Wirtschaft hat ein starkes Interesse an einem Ausbau der Kontakte. Der Handelsumsatz mit Russland wuchs allein im vergangenen Jahr um 25 Prozent. Aber nicht nur die deutschen Importe aus Russland wuchsen im Zusammenhang mit den steigenden Energie-Einfuhren, sondern auch die deutschen Exporte. Auch deshalb reiste eine große Wirtschaftsdelegation mit Merkel nach Sibirien.
7. Warum findet das Treffen ausgerechnet in Tomsk statt?
Die Konsultationen sollten dort nach einer Vereinbarung zwischen Schröder und Putin eigentlich schon im vergangenen September sein. Wer nun aber auf die Idee kam, ausgerechnet mitten in Sibirien eine Heerschar von Ministern und Beamten zu versammeln, ließ sich nicht eindeutig feststellen. Angeblich hat der Gouverneur des Gebietes, Viktor Kress, für diese Idee zuerst den ehemaligen Verteidigungsminister Volker Rühe (CDU) gewonnen, der zuletzt Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags war.