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27 April 2006 г.
    Nüchterne Bilanz beim Bärenfleisch-Mahl.

Sogar Bärenfleisch wurde Bundeskanzlerin Merkel aufgetischt - doch von eitel Sonnenschein konnte bei den deutsch-russischen Konsultationen in Tomsk keine Rede sein. Aus den diplomatischen Formeln zum Abschluss ließen sich ernsthafte Meinungsverschiedenheiten vor allem beim Thema Energie heraushören.

Hamburg - Drei Stunden saßen die Bundeskanzlerin und der Präsident zusammen im Restaurant. Dort sei Angela Merkel mit sibirischen Spezialitäten bewirtet worden, darunter auch Bärenfleisch, berichtete Wladimir Putin. Doch trotz der Köstlichkeiten zeigte sich Merkel nicht so begeistert wie ihr Vorgänger Gerhard Schröder manches Mal. "Lecker und kurzweilig" sei der Restaurant-Besuch gewesen, erklärte die Kanzlerin knapp.

Auch die Abschlusserklärung der Kanzlerin geriet nüchtern: "Es war ein sehr offenes, ein sehr intensives Gespräch", erklärte sie zum Abschluss der achten deutsch-russischen Konsultationen im sibirischen Tomsk bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Putin. "Oft mit unterschiedlichen Meinungen", fügte Merkel hinzu.

Die Auseinandersetzungen zwischen Russland und Europa über russische Energielieferungen für Europa haben die Stimmung bei dem Treffen offenbar deutlich getrübt. Unmittelbar vor der Zusammenkunft hatte Putin dem Westen vorgeworfen, seinem Land unfaire Wettbewerbsbedingungen auf dem Weltmarkt vorschreiben zu wollen.

So klangen Merkels heutige Erklärungen zur Energiepartnerschaft mit Russland auch wenig enthusiastisch: "Es ist natürlich so, dass wir in Europa und auch in Deutschland Rohstoffe brauchen", sagte Merkel, und: "Es ist gut, dass wir mit Russland sprechen können." Putin seinerseits versprach nach den jüngsten Irritationen die "zuverlässige Lieferung" von Energieträgern nach Deutschland und andere Länder. Russland sei bereit, die "langfristigen Partnerschaften" auszubauen. Gleichzeitig hätten russische Unternehmen das Interesse, sich an der Weiterverarbeitung von Energie in anderen Ländern beteiligen können, fügte er jedoch hinzu.

Beide Länder verbinde eine über 40 Jahre bestehende "verlässliche Partnerschaft" auf dem Energiesektor, erklärte Merkel trotz aller Unstimmigkeiten aber doch und lobte die Vereinbarung zwischen der deutschen BASF und dem russischen Gasmonopolisten Gasprom. Durch sie wird die BASF über die Tochter Wintershall an der Ausbeutung des riesigen Gasfelds Juschno Russkoje in Sibirien beteiligt. Damit darf BASF als erstes ausländisches Unternehmen das Gas aus den sibirischen Feldern auch selbst fördern und verkaufen. Dafür bekommt Gasprom weitere Anteile an dem Kasseler Unternehmen Wingas, mit dem Gasprom und der deutsche Chemiekonzern seit über zehn Jahren in Europa Gas vertreiben.

Merkel und Putin sprachen sich außerdem noch für den weiteren Ausbau der Wirtschaftsziehungen aus. Putin sicherte deutschen Investoren in Russland staatliche Unterstützung zu.

"Wir wollen zu einer Beruhigung des Verhältnisses beitragen", kommentierte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos das Treffen in Tomsk. Die Konsultationen zeigten, dass sich "atmosphärische Störungen" beheben ließen. Russland sei schon immer ein "sehr liefer- und vertragstreues Land" gewesen. "Es klappt in der Praxis alles recht gut."



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