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19 April 2007 г.
    Das Tomsker Gebiet: Öl, Gas, Holz und viel Wissenschaft.

russland.RU im Gespräch mit Viktor Kress, Gouverneur des Gebietes Nowosibirsk

Auf dem Sibirischen Wirtschaftstag bei der Hannover Messe wurde das „Jahr Sibiriens in Deutschalnd eröffnet. Wie wird sich die Region Tomsk daran beteiligen?

Das Jahr Sibiriens beginnen wir im Tomsker Gebiet nicht vom Punkt Null. Bei uns sind deutsches Kapital und deutsche Technologien schon im Erdölbereich vertreten. Das Unternehmen „Svepko“ hat die Lizenz zur Gewinnung von Kohlenwasserstoffen und die Firma „Tomskburneftegaz“ hat gemeinsam mit deutschen Partnern ein neues Projekt für mobile Bohrgeräte ausgearbeitet. Tomsker Industriebetriebe, wie das erdölchemische Kombinat oder das elektromechanische Werk, sind mit deutschen Maschinen und Anlagen ausgerüstet, auch in der Kommunal- und der Landwirtschaft und der Holzverarbeitung arbeiten wir mit deutscher Technik.

Besonders aktiv ist die Zusammenarbeit von medizinischen Einrichtungen aus Tomsk und Deutschland, vor allem in der Mikrochirurgie, der Orthopädie, der Kardiologie und der medizinischen Materialforschung. Die Sibirische Staatliche Medizinische Universität arbeitet intensiv am Koch-Metschnikow-Programm mit, das im vergangenen Jahr beim Petersburger Dialog in Dresden beschlossen worden war.

Kurz vor seiner Gründung steht das russisch-deutsche Institut für die Herstellung von Gewebe und Organen. Das Land Niedersachsen hat sein Interesse an diesem Vorhaben bekundet.

Auch in der Hochschulausbildung und der Forschung arbeiten wir mit deutschen Universitäten zusammen. Eine Zweigstelle unserer Polytechnischen Universität in Karlsruhe, Kontakte zur Fraunhofergesellschaft und zum Goethe-Institut, die Schaffung gemeinsamer Ausbildungszentren sind nur wenige Beispiele für unsere Zusammenarbeit.

Ergebnisse der Kooperation mit unseren deutschen Freunden werden auch auf einer Ausstellung im Herbst in Stuttgart zu sehen sein.

Welche Anlagetipps können Sie deutschen Investoren im Tomsker Gebiet geben?

In unserer Region bietet sich ein weites Feld von Möglichkeiten. Während sich die meisten Länder vor allem entweder durch ihre Rohstoffexporte oder dank ihres intellektuellen Potenzials entwickeln, hat das Tomsker Gebiet glücklicherweise beides zu bieten. In Westsibirien verfügen wir über die meisten Vorräte an Kohlenwasserstoffen. Deutsches Kapital könnte sich bei uns am Bau von so genannten Mini-Betrieben für die Erdölverarbeitung beteiligen, die jeweils rund eine Million Tonnen Öl verarbeiten können. Ertragreich ist auch die Investition in die Holzverarbeitung. Unser Gebiet ist fast so groß wie Deutschland. Fast drei Viertel sind mit Wald bedeckt. Deshalb gibt es mehrere Investitionsobjekte in der Holzverarbeitung, zum Beispiel den Bau eines Zellulose-Papier-Kombinates. Wir suchen auch Investitionen und Technologien für den Holzzuschnitt, die Produktion von Sperrholz und den Bau von Holzhäusern.

Ein anderes Beispiel: Viele Länder Europas, darunter Russland, importieren Eisenerz aus Australien, während das – bislang unerschlossene - Eisenerzvorkommen von Baktschar im Tomsker Gebiet, nach Expertenangaben, zu den größten in der Welt gehört. Das schreit geradezu nach einer Megainvestition in den gesamten Produktionszyklus, von der Erschließung der Lagerstätte bis zum Gießen des Stahls.

Wer nach Tomsk kommt, dem fallen gleich die vielen jungen Menschen auf…

Der Eindruck ist richtig. Jeder fünfte der insgesamt 500 Tausend Einwohner der Stadt ist ein Student. Tomsk wird auch das „Sibirische Oxford“ genannt. Von den sechs Tomsker Universitäten erhielten drei in den letzten Jahren den Status „innovative Bildungs- und Forschungseinrichtung“– die Tomsker Klassische Universität, die Tomsker Polytechnische Universität und die Tomsker Universität für Steuerungssysteme und Funkelektronik. Hier sind wir sehr an einem Austausch von Studenten und Wissenschaftlern und einer Zusammenarbeit in der Forschung mit deutschen Universitäten interessiert. Nicht zuletzt, weil, historisch gesehen, unser Universitätssystem nach deutschem Vorbild aufgebaut ist, vor allem nach dem der Humboldt-Universität Berlin.

Welche Bedingungen bietet das Tomsker Gebiet ausländischen Investoren?

Tomsk hat eine Ausschreibung zur Schaffung einer Sonderwirtschaftszone mit technisch-innovativer Orientierung gewonnen. Davon gibt es in Russland insgesamt nur vier, hinter dem Ural sind wir die einzigen. Während des deutsch-russischen Gipfeltreffens im vergangenen Jahr wurde der erste Abschnitt der Sonderwirtschaftszone übergeben. Erster Resident wurde SIBUR-Tomskneftechim, das sich mit ultrahochmolekularem Polyethylen befasst. Das trägt unmittelbar zur Entwicklung des Polymer-Marktes bei. Mehrere bekannte Weltmarken, wie Bosch, denken über die Schaffung einer wissenschaftlichen Basis in der SWZ nach. Ausländische Unternehmen sind in der Zone gern gesehen und erhalten, wie auch die russischen Betriebe, eine Reihe von Vergünstigungen, z.B. Steuererleichterungen. Hauptentwicklungsrichtungen bei der Entwicklung der technisch-innovativen Zone sind
- die Informationstechnologien und die Elektronik,
- die Nanotechnik
- die Biotechnologie und die Medizin sowie
- die Atomenergie und alternative Energiequellen
Die enge Verbindung von Wissenschaft und Produktion ist vielleicht das wichtigste Merkmal der Sonderwirtschaftszone.

Welche Ansatzpunkte sehen Sie für eine Zusammenarbeit in der traditionellen Industrie?

Die Industrie im Tomsker Gebiet entwickelt sich in zwei Richtungen: Die eine fußt auf den natürlichen Ressourcen der Region also der Gewinnung und Verarbeitung von Öl, Gas und Holz, die andere wird vom Maschinenbau und der Atomindustrie bestimmt. Und ich sehe auch für die Zusammenarbeit von Tomsker und deutscher Industrie zwei Linien – die Modernisierung unserer Unternehmen und neue gemeinsame Projekte, den Bau neuer Betriebe. Dafür haben wir es schon eine Reihe konkreter Vorschläge.

Das Tomsker Gebiet ist offen für Investoren. Es zeichnet sich durch politische Stabilität aus, der Anteil an hoch qualifizierte Fachkräfte ist sehr groß und wir bieten den Anlegern eine hohe Rechtssicherheit.

Nicht zuletzt ist Tomsk eine sehenswerte altertümliche Stadt mit 400jähriger Geschichte. Ich lade alle deutschen Freunde herzlich zu uns ein.



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